Einführung:Clemens Schlip (traduction française: Kevin Bovier et David Amherdt). Version: 06.04.2023.
Entstehungszeitraum: jeweils wohl unmittelbar vor der Drucklegung der jeweiligen Ausgaben (s. unten), wobei Brylinger für die Vorrede zur Epigramm-Anthologie zu einem grossen Teil auf das Vorwort zur ersten Auflage von 1539 zurückgriff (vgl. unsere Einführung).
Ausgaben: Comoediae ac tragoediae aliquot ex novo et vetere testamento desumptae […] Adiunximus praeterea duas lepidissimas comoedias mores corruptissimi saeculi elegantissime depingentes, Basel, Nicolaus Brylinger, 1540, hier: fol. a2ro.
Scholae christianae epigrammatum libri duo adiecta sunt singulis epigrammatis argumenta [...] scholis etiam passim in margine adiunctis, Basel, Nicolaus Brylinger, 1541, hier: fol. a2ro-vo.
Der Druckerverleger Brylinger
Nicolaus Brylinger wurde ca. 1515 geboren. Am 25. März 1535 erhielt er das Basler Bürgerrecht, nachdem er die vormals mit Theodor Wolff verheiratete Anna Brunn geehelicht hatte. Im gleichen Jahr wandte er sich in Kooperation mit Bartholomäus Westheimer dem Druckergewerbe zu. Ab 1538 betrieb er seine Geschäfte meist allein von seiner Offizin auf dem Basler Heuberg aus, was gelegentliche Zusammenarbeit mit anderen Druckerverlegern (wie Bartholomäus Stähelin, Johannes Oporin oder Sebastian Franck) nicht ausschloss. Das dramatischste Erlebnis seiner Laufbahn war wohl seine Festnahme und kurzzeitige Inhaftierung auf der Frankfurter Messe von 1557 für den Verkauf von Basilius Monners Schrift Bedencken vonn dem Kriege … über den Schmalkaldischen Krieg (1544-1547), die dieser als ehemaliger Rat des unterlegenen sächsischen Kurfürsten aus protestantischer Perspektive verfasst hatte. SwissCollections verzeichnet insgesamt 243 Drucke aus Brylingers Offizin. Brylinger verstarb 1565 in Basel. Die Geschäfte der Offizin wurden bis 1600 zunächst von seinen Erben weitergeführt, die dafür teilweise mit den Druckerverlegern Marx Russinger (1540-1583) und Leonhard Ostein (1538-1595) zusammenarbeiteten.
Zwei Vorreden Brylingers
Wir präsentieren hier zwei Vorreden, die der Druckerverleger Brylinger zu zwei von ihm veröffentlichten Werken beigesteuert hat. Es handelt sich dabei um zwei Anthologien, die letztlich die gleiche Zielsetzung verfolgen: eine christliche Alternative zu den Werken der paganen Antike zu bieten. Die Anthologie Comoediae ac tragoediae aliquot ex novo et vetere testamento desumptae von 1540 tut dies auf dem Gebiet des Dramas, mit zehn Theaterstücken von insgesamt acht Autoren: sie stammen von Wilhelm Gnaphaeus (Acolastus); Cornelius Crocus (Ioseph); Petrus Papaeus (Samarites); Jacobus Zovitius (Ovis perdita); Sixt Birck (Susanna); Thomas Naogeorg (Pammachius); Nicolas Barthélemy (Christus Xilonicus); Georg Macropedius (drei Stücke: Hecastus, Bassarus und Andrisca). Sechs dieser Stücke entnehmen ihr Sujet unmittelbar der Bibel, was den Haupttitel dieses Bandes, Comoediae ac tragoediae aliquot ex novo et vetere testamento desumptae, rechtfertigt («einige Komödien und Tragödien, deren Stoff dem Alten und dem Neuen Testament entnommen ist»); zwei Dramen lassen sich in einem weiteren Sinne als geistliche Spiele betrachten (der Pammachius des Naogeorg bietet eine Art Abriss der Papst- und Kirchengeschichte, der Hecastus des Macropedius gehört zu den frühneuzeitlichen Jedermann-Dramen; er führt exemplarisch das Sterben eines reichen jungen Mannes vor Augen, der sich in der Stunde seines Todes von Freunden, Familie und Reichtum verlassen sieht und um dessen Seele die Tugend und der Glaube gegen die Besitzansprüche von Teufel und Tod ringen und letztlich auch den Sieg davontragen). Bei den zwei übrigen abgedruckten Stücken des Macropedius handelt es sich um Komödien nicht-geistlichen Inhalts, die laut dem Titelblatt hinzugefügt wurden, weil sie die Sittenlosigkeit der Gegenwart satirisch aufs Korn nehmen (der Titel des Bandes spricht in diesem Sinne von comoedias mores corruptissimi saeculi elegantissime depingentes). Ein Blick auf die Autoren (vgl. dazu die Anmerkungen zu den jeweiligen Namen) zeigt nicht nur, dass mindestens fünf davon (Gnaphaeus, Crocus, Birck, Naogeorgus und Macropedius) im Publikationsjahr dieser dramatischen Anthologie noch am Leben waren (bei den übrigen ist das Todesjahr unklar); es handelte sich darüber hinaus bei allen hier versammelten zehn Theaterstücken letztlich um zeitgenössische Literatur. Dabei werden sowohl protestantische wie katholische Autoren berücksichtigt; alleine schon durch den scharf papst- und kirchenkritischen Pammachius des Naogeorg wird aber deutlich, dass Brylinger vermutlich primär ein protestantisches Lesepublikum anzielte. Man darf vermuten, dass der Druckerverleger bei der Erstellung dieses Dramenbandes auf die Hilfe eines oder mehrerer gelehrter Mitarbeiter zurückgriff; dieser bzw. diese bleiben aber anonym und werden weder auf dem Titelblatt noch in Brylingers Präfatio genannt. Brylinger preist die Sammlung in seiner sehr kurz gehaltenen Vorrede als vollwertigen christlichen Ersatz für die römische Komödie des Terenz, die traditionellerweise den Lateinunterricht dominierte; er hebt besonders die Tatsache hervor, dass in diesen Stücken biblische Sujets behandelt worden seien und sie frei von lasziven und erotischen Stoffen seien.
Dass derartige Stücke tatsächlich gerne im Schulunterricht als Alternative zu heidnischen Klassikern herangezogen wurden, belegt eine Unterredung, die 1537 in St. Gallen zwischen Johannes Vadian und Johannes Kessler als dem frischernannten Leiter der Lateinschule stattfand: in dieser empfahl Vadian als Lektürestoff neben anderen prononciert christlichen Werken den Ioseph des Cornelius Crocus und den Christus Xylonicus des Nicolas Barthélemy, zwei Theaterstücke, die beide auch in dem bei Brylinger gedruckten Sammelband enthalten sind. Wir dürfen in diesem Zusammenhang auch noch beispielhaft auf Gwalthers Nabal hinweisen, der auf diesem Portal stellvertretend für das reformierte Zürcher Bibeldrama steht und einige Jahre nach der hier betrachteten Anthologie aus dem Hause Brylinger erschien (1549) – eine Anthologie, in die er sich ansonsten thematisch und inhaltlich sehr gut eingefügt hätte.
Die zweite Vorrede Brylingers, die wir auf diesem Portal präsentieren, stammt aus dem Jahr 1541. Damals erschien bei Brylinger, die zweite Auflage einer Gedichtanthologie mit «christlichen Epigrammen» (Scholae christianae epigrammatum […] libri duo), wobei man diesen Gattungsbegriff auch mit Bezug auf diese Sammlung nicht zu engherzig auffassen darf. Die erste Auflage dieser Zusammenstellung war bereits 1539 bei Brylinger erschienen; die Herausgeber blieben damals anonym. In seiner Vorrede zur zweiten Auflage, die zu einem grossen Teil seine Präfatio zur ersten Auflage wörtlich wiederholt, nennt Brylinger nun die Namen der beiden Gelehrten, denen der vorliegende Band zu verdanken war: Johannes Gast und Johannes Susenbrot. Letzterer wird – anders als Gast – auch eigens auf dem neuen Titelblatt erwähnt, was vielleicht bei dieser auf den Schulgebrauch berechneten Publikation durch seine Bekanntheit als Lehrer und pädagogischer Schriftsteller zu erklären ist. Inhaltliche Änderungen der zweiten Auflage im Unterschied zur ersten fallen nicht ins Auge.
Unmittelbar auf das Titelblatt der Gedicht-Anthologie folgt noch vor Brylingers Vorrede eine Auflistung mit der Überschrift Authores, ex quibus haec epigrammata sunt desumpta («Autoren, aus denen die vorliegenden Epigramme entnommen worden sind»), die schon in der ersten Auflage diesen Platz eingenommen hatte. Sie nennt als ersten den spätantiken Dichter Aurelius Prudentius; im Folgenden aber nur humanistischen Zeitgenossen (in Klammern die Schreibweise des Katalogs, wo sie von der uns gewählten modernen abweicht): Erasmus von Rotterdam (D. Erasmus Rotterodamus), Thomas Morus, Andrea Alciato (Andreas Alciatus), Publio Fausto Andrelino (Faustus Andrelinus), Piattino Piatti (Platinus Platus), Petrus Flores Hispanus, Jakob Montanus (Iacobus Montanus), Ludovicus Biges, genannt Pictorius (Pictorius), Benedetto Giovio (Benedictus Govius), Lorenzo Lippi da Colle (Laurentius Lippus), Nicolas Bourbon d. Ä. (Nicolaus Borbonius), Ludovicus Biges, Janus Cornarius (Ianus Cornarius), Othmar Luscinius (Othomarus Luscinius), Lilius Gregorius Giraldus (Lilius) und Hieronymus van Busleyden (Buslidius). Schon ein oberflächlicher Blick in das Buch erweist allerdings, dass diese Aufzählung unvollständig ist: es fehlen zum Beispiel Ausonius, Prosper von Aquitanien, Philipp Melanchthon … und weitere Autoren, auf deren nachträgliche Katalogisierung hier verzichtet werden darf; bereits die Anmerkungen zu den hier im Vorigen genannten Autoren machen ausreichend deutlich, ein wie weites zeitliches und geographisches Spektrum diese Anthologie abdeckte.
Brylingers Vorrede fällt ausführlicher aus als die zu der Dramenanthologie von 1540. Er würdigt die Arbeit Gasts und Susenbrots (jenen am Anfang, diesen gegen Ende der Präfatio) und zeigt sich selbst wortreich begeistert von dem hier verwirklichten Projekt, den Schulknaben eine genuin christliche Alternative zu den aus der paganen Antike stammenden Lektürestoffen zu bieten; letztere hält er wegen ihrer teilweisen Obszönität und der darin traktierten mythologischen Themen für Gefährdungen der Kinderseele. Bemerkenswert deutlich spricht Brylinger aus, dass seine und seiner Mitarbeiter Bemühungen vonseiten des Lesepublikums eine angemessene finanzielle Kompensation verdienen.
Anders als Titelblatt und Vorrede verheissen, hat die Gedichtsammlung keinen rein geistlichen Charakter; besonders das zweite Buch geht thematisch über diesen Rahmen hinaus; heidnische Autoren und Obszönitäten werden allerdings tatsächlich konsequent vermieden. Akzentuierende lateinische Gedichte, wie sie im Mittelalter üblich gewesen waren, sind ausgeschlossen; die Sammlung berücksichtigt also nur die durch die antike Tradition vorgegebenen quantitierenden Metren.
Bibliographie
Heitz, P./Bernoulli, C. C., Basler Büchermarken bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts. Mit Vorbemerkungen und Nachrichten über die Basler Drucker, Strassburg, J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel), 1895, hier: XXXII-XXXIII.
Der Index typographorum editorumque Basiliensium verzeichnet folgende Kooperationen: «1536-1537 mit Bartholomäus Westheimer,1541-1542 mit Sebastian Franck, 1543 mit Johannes Oporin, 1551 u. 1553 mit Bartholomäus Stähelin, 1562 mit Heinrich Petri, 1563 mit Marx Russinger» (https://ub2.unibas.ch/itb/druckerverleger/nicolaus-brylinger/).
Wir folgen hier der Darstellung von Reske (2015), 81; Heitz/Bernoulli (1895), XXXIII gehen dagegen davon aus, dass die Offizin schon deutlich vor 1600 von Leonard Ostenius von den Erben erworben und weitergeführt wurde. Der Index typographorum editorumque Basiliensiumhttps://ub2.unibas.ch/itb/druckerverleger/leonhard-ostein/ weist in diesem Zusammenhang ohne wirkliche eigene Stellungnahme nur darauf hin, dass «die Brylingersche Druckermarke in den 1580er und 1590er Jahren mehrfach auch in nur von Ostein firmierten Drucken auftaucht». Für unseren Kontext ist die Frage letztlich ohne Belang.
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Gnaphaeus wurde 1493 in Den Haag geboren, wo er 1522 Schuldirektor wurde. Aufgrund seiner reformierten Überzeugungen wanderte er zunächst aus, erst ins Ermland, dann nach Preussen, wo er aber jeweils wiederum Probleme mit andersgläubigen (dort, wie daheim, mit katholischen, hier mit lutherischen) Autoritäten hatte; schliesslich wurde er Sekretär und Prinzenerzieher in Ostfriesland (1568 in Norden verstorben). Mit seinem hier erwähnten Stück Acolastus von 1529 (über das biblische Motiv des verlorenen Sohnes) schuf er das erste protestantische Schuldrama und machte die bei Terenz und Plautus überlieferten Formen der antiken Komödie christlich-biblischen Inhalten dienstbar. S. zu ihm R. Tarot, «Gnapheus, Gulielmus», Neue Deutsche Biographie 6 (1964), 482-483, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119861240.html#ndbcontent; B. Rolling, «Gnaphaeus, Guilelmus», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 3 (2014), 23-31; letzterer hebt eindrücklich die enorme Wirkungsgeschichte des Stücks hervor.
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Ca. 1500 in Amsterdam geboren; Kleriker; 1517-1521 Studium in Löwen; ab 1521 Lehrer in Amsterdam; Gegner der Reformation; 1537 Ablehnung eines Rufes nach Coimbra; 1531 Rektor der Oudezijdsschool in Amsterdam; ab 1538 Theologiestudium in Löwen; ab 1544 wieder Rektor der Oudezijdsschool; Ablehnung eines Rufes nach Coimbra; 1550 in Rom Eintritt in den Jesuitenorden; Tod 1550 dortselbst. Sein Josephsdrama wurde 1535 von seinen Schülern uraufgeführt und 1536 erstmals gedruckt (Amsterdam, Johannes Steels). S. zu ihm M. L. van Poll-van de Lisdonk, «Cornelius Crocus» in: Biobibliografie van Nederlandse Humanisten, Onlineversion vom 30. März 2010, https://dwc.knaw.nl/crocus-cornelius/.
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Ein Schulrektor aus Meenen in Westflandern; sein Stück über den barmherzigen Samariter erschien erstmals 1537 in Köln. S. zu ihm H. Holstein, «Papeus, Petrus», Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), 141-142, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119780941.html#adbcontent, der im Übrigen auch den Abdruck in Brylingers Anthologie hervorhebt.
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1512 auf der Insel Schouwen geboren; später Lateinschulrektor in Hoogstraten, danach in Breda, zeitlebens katholisch; Todesdatum unbekannt. Sein hier erwähntes Stück Ovis perdita über die Parabel vom Guten Hirten, eine grossangelegte Allegorie über Christ Erlösungswerk, die weitere katholische Autoren nach ihm beeinflusste, erschien erstmals 1529 in Antwerpen und in Köln. S. zu ihm J. Bolte, «Zovitius, Jakob», Allgemeine Deutsche Biographie 45 (1900), 440-441, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119878925.html#adbcontent.
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Birck wurde 1501 in Augsburg geboren; 1520/21 Studium in Erfurt und Übertritt zur Reformation; danach in Tübingen, anschliessend in Basel; dort erst Korrektor, ab 1530 Lehrer an St. Theodor in Klein-Basel; 1534 Rektor des Pädagogiums; 1536 Magistergrad und Rückkehr nach Augsburg, wo er Rektor des St. Anna-Gymnasiums wurde; daneben Begründer der Stadtbibliothek. Er starb 1554 in Augsburg. Seine hier erwähnte Susanna verfasste er zu Schulzwecken noch in Basel (gedruckt 1532 bei Thomas Wolff ebendort); 1537 erschien bei Philip Ulhart d. Ä. in Augsburg erstmals die lateinische Version, die an verschiedenen Orten in den folgenden Jahren nachgedruckt wurde. S. zu ihm A. Hartmann, «Birk, Sixt», Neue Deutsche Biographie 2 (1955), 256, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118859730.html#ndbcontent; zum hier erwähnten literarischen Werk in erster Linie aber H. Lähnemann, «Birck, Sixt», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 1 (2012), 268-275.
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Der 1508 in Straubing geborene Naogeorg trat zunächst in den Dominikanerorden ein, den er 1526 verliess, um nach Nürnberg zu gehen. Er wurde evangelischer Geistlicher (1535 erstmals nachweisbar im sächsischen Vogtland, hatte aufgrund seiner kryptocalvinistischen Tendenzen aber Probleme im lutherischen Milieu und wechselte mehrfach den Ort; 1551 Jurastudium in Basel, im gleichen Jahr Spitalprediger in Stuttgart, 1561 Oberpfarrer in Esslingen; schliesslich als Pfarrer von Wiesloch ab 1563 in der calvinistischen Kurpfalz, wo er im gleichen Jahr starb. S. zu ihm H.-G. Roloff, «Naogeorg, Thomas», Neue Deutsche Biographie 18 (1997), 729-730, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118785656.html#ndbcontent; V. Janing, «Naogeorg, Thomas», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 4 (2015), 563-572. Sein hier aufgeführter Pammachus ist ein ungewöhnliches, gross angelegtes Stück, ein Ideen- und Geschichtsdrama, das in vier Akten mit grosser Wucht den Bund des Papsttums mit dem Satan vor Augen führt.
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Nicolas Barthélemy de Loches (vielleicht 1478-nach 1532) war ein französischer Benediktiner aus Loches; er ist zunächst belegt als Prior von Loches und Fréteval; dann als Doktor der Philosophie in Orléans, anschliessend als Professor an einem Collège in Paris, ausserdem zeitgleich zu letzterer Tätigkeit als Prior von Notre-Dame de Bonne-Nouvelle in Orléans. Seine Tragödie Christus Xylonicus («Christus am Kreuz») von 1529 vereint in sich die Einflüsse der plautinischen und terenzischen Dramaturgie mit denen der mittelalterlichen Mysterienspiele. S. zu ihm R. Lebègue, La tragédie religieuse en France. Les débuts (1514-1573), Paris, Librairie Ancienne Honoré Champion, 1929, 169-193; E. Gauthier, «Un professeur et poète du début du XVIe siècle: Nicolas Barthélemy de Loches», in: M. Ferrand/N. Istasse, Nouveaux regards sur les «Apollons de collège», Paris, Droz, 2014, 183-206; E. Gauthier, «Un humaniste à Orléans: Nicolas Barthélemy», 2016 (im Open Access-Archiv hal: https://hal.science/hal-01345047).
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Der 1487 in Gemerten geborene und 1558 in Herzogenbusch verstorbene Macropedius (eigentlich Langveld bzw. Langhveldt) war Mitglied der bis zur Reformation für den Unterricht in den Niederlanden und Nordwestdeutschland wichtigen Gemeinschaft der «Brüder vom gemeinsamen Leben» und leitete nacheinander Schulen in Herzogenbusch, Lüttich und Utrecht. Neben Lehrwerken verfasste er besonders auch Theaterstücke und hat sich um die Entwicklung des neulateinischen Dramas sehr verdient gemacht. Zu den hier genannten Stücken ist zu bemerken: der erstmals 1539 bei M. Hillenius in Antwerpen erschienene Hecastus […], Fabula Non Minus Pia quam iucunda […] ist ein Jedermann-Drama um einen reichen Mann, der sich noch in seiner Todesstunde bekehrt (eine moderne Edition: R. Dammer, B. Jeßing (Hgg.), Der Jedermann im 16. Jahrhundert. Die Hecastus-Dramen von Georgius Macropedius und Hans Sachs, Berlin/New York, de Gruyter, 2007); die beiden anderen Stücke haben einen unbeschwerten, komödiantischen Charakter; Andrisca fabula lepidissima über die Zähmung zweier Ehefrauen, von denen die eine zuvor herrschsüchtig gewesen ist und die andere eine Affäre mit dem Ortspfarrer hatte, erschien 1538 in Herzogenbusch bei G. v. d. Hatart sowie in Antwerpen bei Michael Hillenius; der Bassarus,Fabula festivissima, ein Stück über einen gewitzten Küster der in der Fasnacht den Pfarrer und andere Dorfautoritäten hereinlegt, erschien erstmals 1540 bei H. v. Borculo in Utrecht. Eine moderne Edition: R. Dammer, B. Jeßing (Hgg.), Der Jedermann im 16. Jahrhundert. Die Hecastus-Dramen von Georgius Macropedius und Hans Sachs, Berlin/New York, de Gruyter, 2007. Literatur zu Macropedius: T. W. Best, Macropedius, New York, Twayne, 1972; H. Giebels/F. Slits, Georgius Macropedius 1487-1558. Leven en Werken van een Brabantse humanist, Tilburg, Zuidelijk Historisch Contact, 2005; G. van Gemert, «Macropedius, Georgius», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 4 (2015), 238-252.
19
Zu ihrem Inhalt s. Anm. 18.
20
Zu Leben, Werk (sechs erhaltene Komödien) und Nachwirken des 195/194 oder 185/184 v. Chr. in Karthago geborenen und 159 oder 158 auf einer Griechenland- und Kleinasienreise verstorbenen P. Terentius Afer, der ursprünglich als Sklave nach Rom kam, s. etwa M. v. Albrecht, Geschichte der römischen Literatur, Bd. 2, Berlin/Boston, De Gruyter, 32012, 184-206 (zur Bedeutung als Schulautor in der Neuzeit: 198-199).
21
Die Unterredung von Vadian und Kessler ist festgehalten im Diarium des St. Galler Leinwandkaufmanns Rütiner: Johannes Rütiner, Diarium 1529-1539. Textband II,1 (Diarium II, Abschnitt 1-275), hg. von E. G. Rüsch, St. Gallen, Selbstverlag, 1996, II, 213-214 (Abschnitt 156 b). Zu diesem Gespräch auch E. G. Rüsch, «Eine Betrachtung Joachim Vadians über christliche Dichtung», Theologische Zeitschrift 42 (1986), 14-25, hier: 23.
22
An verschiedenen Stellen, z. B. auf p. 134-135, findet man auch Gedichte in lyrischen Versmassen; die für epigrammatische Dichtung typischen elegischen Distichen überwiegen aber insgesamt deutlich. Im Übrigen erinnern wir daran, dass eine genaue Definition des Epigramms als Gattung eine kaum lösbare Aufgabe ist und verweisen in diesem Sinne auf unsere entsprechende Einführung.
Brylinger spricht zu Beginn seiner damaligen Vorrede nur allgemein von einem quidam vir exacti iudicii, der ihm diese Epigramme zum Druck angeboten habe; in der neuen Vorrede nennt er an dieser Stelle Johannes Gast.
25
Wir verweisen hier zu seinem Leben und Werk und die dafür relevante Bibliographie auf im Haupttext zu seinem Namen verlinkten Datei [Link wird in Kürze ergänzt] und nennen hier nur beispielshalber J. K. Kipf, «Gast, Johannes», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 2 (2012), 535-545.
26
Johannes Susenbrot wurde 1484/85 in Wangen im Allgäu geboren. Er besuchte die dortige Lateinschule und immatrikulierte sich 1503 in Wien, wo er den Grad eines Baccalaureus erreichte. 1506 wurde er Lehrer in Leutkirch; 1508 begab er sich nach Pfullendorff, 1512 nach Schaffhausen, 1519 nach Wangen; 1521 immatrikulierte er sich in Basel, wo er im Folgejahr den Magistergrad erlangte und bis 1525 Bursenleiter und Dozent der Artistenfakultät wurde. 1525 verliess er Basel als Gegner der Reformation und wurde Lateinschulmeister in Ravensburg. 1527 ging er nach Pfullendorf, 1532 wurde er (zu besseren Konditionen als beim ersten Mal) wiederum Lateinschulmeister in Ravensburg. Er galt als guter Lateinlehrer und zog zahlreiche Schüler an. In Ravensburg erstellte er in Zusammenarbeit mit Johannes Gast in Basel die in unserem Zusammenhang wichtige christliche Epigramm-Anthologie und verfasste darüber hinaus eigener Werke für den Lateinunterricht, von denen die umfassende Monographie zur Figurenlehre Epitome Troporum ac Schematum et Grammaticorum et Rhetorum (Zürich, Froschauer, 1542) weite Verbreitung fand und oft nachgedruckt wurde und besonders auch in England des 16. und 17. Jh. starken Einfluss ausübte. 1542 bot man ihm eine Professur an der Ordenshochschule der Benediktiner in Ottobeuren an; er nahm den Vorschlag mutmasslich an, doch im selben Jahr noch wurde er entweder im August oder im September das Opfer einer schweren Körperverletzung mit Todesfolge, die derartige Pläne zunichtemachte (er war von einem schwer betrunkenen Ravensburger Bürger, der wohl schon zuvor einen persönlichen Groll auf ihn gehabt hatte, zusammengeschlagen worden; der Täter wurde dafür auf Lebenszeit aus der Stadt verbannt). S. zu Susenbrot etwa: J. X. Brennan, «Joannes Susenbrotus: A Forgotten Humanist», Procedings of the Modern Language Association 75 (1960), 485-496; T. Zinsmaier, «Johannes Susenbrotus’ Epitome troporum ac schematum – eine frühneuzeitliche literarische Rhetorik», in: W. Kofler/K. Töchterle (Hgg.), Die antike Rhetorik in der europäischen Geistesgeschichte, Innsbruck/Wien/Bozen, Studien Verlag, 2005, 250-269; T. Zinsmaier, «Johannes Susenbrot», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 6 (2017), 240-246.
27
[…] per Ioannem Susenbrotum Rauenspurgi oppidi imperialis superioris Germaniae haud incelebris ludimagistrum […] («[exzerpiert] durch Johannes Susenbrot, einen nicht unberühmten Schulmeister aus der oberdeutschen Reichsstadt Ravensburg»).
28
Vgl. dazu Anm. 26.
29
Aulus Prudentius Clemens wurde 348 in Spanien geboren. Nach Rhetorikstudien und Anwaltstätigkeit war er zweimal Provinzstatthalter und ein enger Berater des Kaisers Theodosius. Seine von ihm selbst 405 herausgegebenen dichterischen Werke hatte er ab 392 verfasst. Gestorben irgendwann nach 405. Zu seinem Leben und seinen Werken s. etwa M. v. Albrecht, Geschichte der römischen Literatur, Bd. 2, Berlin/Boston, De Gruyter, 32012, 1161-1172.
30
Leben und Wirken des englischen Lordkanzlers Thomas More (1478-1535), der unter Heinrich VIII. hingerichtet wurde, weil er diesen nicht anstatt des Papstes als Haupt der englischen Kirche anerkennen wollte, sind weit bekannt und entziehen sich einer kurzen Zusammenfassung. Wir verweisen hier beispielhaft nur auf S. Baker House, «More, Sir Thomas [St Thomas More]», Oxford Dictionary of National Biography, Onlineversion vom 3, Januar 2008, https://doi.org/10.1093/ref:odnb/19191.
31
Der in Mailand oder Alzate] geborene italienische Humanist Andrea Alciato (1492-1550) ist besonders durch seinen erstmals 1531 bei Heinrich Steyner in Augsburg erschienen Emblematum Liber bekannt geworden; 1529 erschienen lateinische Übersetzungen griechischer Epigramme von ihm in Basel bei Johannes Bebel (https://doi.org/10.3931/e-rara-584). S. zu ihm allgemein R. Abbondanza, «Alciato, Andrea», Dizionario Biografico degli Italiani 2 (1960), Onlineversion, https://www.treccani.it/enciclopedia/andrea-alciato_(Dizionario-Biografico)/; A. Rolet/S. Rolet (Hgg.), André Alciat (1492-1550): un humaniste au confluent des savoirs dans l’Europe de la Renaissance, Turnhout, Brepols, 2013.
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Zu dem italienischen Humanisten Publio Fausto Andrelini (ca. 1462-1518), der besonders in Frankreich wirkte und dort massgeblich zur Verbreitung des Humanismus beitrug, siehe z. B. R. Weiss, «Andrelini, Publio Fausto», Dizionario Biografico degli Italiani 3 (1961), Onlineversion, https://www.treccani.it/enciclopedia/publio-fausto-andrelini_(Dizionario-Biografico)/.
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Geboren um 1442 in Mailand; stand zunächst den Sforza nahe und war Page an ihrem Hof, geriet dann aber in Ungnade und verbrachte drei Jahre (1467-1479) eingesperrt im Kastell von Monza. Danach hielt er sich bei den Este in Ferrara und den Medici in Florenz auf, dann stand er in militärischen Diensten bei Herzog Federico von Urbino und anschliessend bei Gian Giacomo Trivulzio. 1476 Rückkehr nach Mailand und Aufenthalt dort und in Garlasco (bei Pavia; Residenz Trivulzios); nach 1500 endgültig in Garlasco, wo er bis zu seinem Tod 1508 eine Schule für Beredsamkeit leitete. Zu seinem Leben und auch seinem poetischen Wirken s. E. Filippino, «Piatti, Piattino», Enciclopedia Italiana (1935), Onlineversion, https://www.treccani.it/enciclopedia/piattino-piatti_%28Enciclopedia-Italiana%29/.
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Petrus Flores (spanisch Pedro Flores) war 1502-1537 Bischof von Castellamare di Stabia und 1537-1540 Bischof von Gaeta (s. zu ihm http://www.catholic-hierarchy.org/bishop/bflore.html). S. zu ihm auch den kurzen Eintrag in der Datenbank Humanismo Giennense (http://www.humanismogiennense.es/autores/pedro-de-flores), in dem auch die Aufnahme lateinischer Gedichte von ihm in die unsere Anthologie vermerkt ist (dort mit leichter Wortverdrehung als Epigrammatum Scholae Christianae bezeichnet); dort wird als sein Herkunftsort Baeza (in Andalusien) angegeben. 1515 erschien von ihm ausserdem eine Ansprache, die er vor den Kardinälen anlässlich der Papstwahl nach dem Tod Julius’ II. zum Papst gehalten hatte (Petri Flores Hispani episcopi Castellamaris iuris utriusque doctoris oratio habita in basilica principis apostolorum ad sacrum collegium sacrosanctae ecclesiae cardinalium de summo pontifice eligendo Iulii II. pontificis maximi sucessore, o. o., o. N., 1515; siehe z. B. hier: https://mdz-nbn-resolving.de/details:bsb10159941); s. dazu R. Manchón Gómez, «El discurso en latín del obispo Pedro Flores (1480-1540) sobre la elección del pontífice sucesor de Julio II», Estudi General 23-24 (2003-2004), 295-307.
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Der ca. 1470 wohl in Gernsbach geborene Jacobus Montanus gehörte den Brüdern vom gemeinsamen Leben an, denen er 1486 in Herford beitrat; vermutlich Schulbesuch in Deventer Studium und Magistergrad in Köln; ab 1512 in Münster; 1512 in Südwestdeutschland; 1513 in Herford; 1520 vermutlich Ernennung zum Leiter einer Alumnatschule in Herford; reformationsfreundlich; Verbleib nach 1534 unklar. Als Dichter (daneben verfasste er diverse Schulschriften für den Lateinunterricht) schuf er unter anderem einen Band mit geistlichen Oden (Odarum spiritualium liber, erstmals gedruckt in Deventer, Richard Pafraet, 1509), aus dem Susenbrot einige Gedichte für die hier relevante, bei Brylinger erscheinende Anthologie ausgesucht hatte. S. zu ihm R. Stupperich, «Montanus, Jakob», Neue Deutsche Biographie 18 (1997), 41, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117133566.html#ndbcontent; für das literarische Werk sei, auch über das hier Aufgeführte hinaus, besonders verwiesen auf J. K. Kipf, «Montanus, Jacobus», Deutscher Humanismus 1480-1520. Verfasserlexikon 2 (2013), 222-239.
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Ludovicus Bigus, genannt Pictorius, geboren ca. 1450 in Ferrara, gestorben 1520 ebendort. Mit seinen 1498 bei in Modena bei Domenico Rococciola erschienenen Opusculorum Christianorum libri tres (1509 nachgedruckt von Matthias Schürer in Strassburg) wandte er sich nach seinem Eintritt in den Servitenorden der lateinischen religiösen Dichtung zu. S. zu ihm ausführlicher G. Andenna, «Pittorio, Ludovico», Dizionario Biografico degli Italiani 84 (2015), Onlineversion, https://www.treccani.it/enciclopedia/ludovico-pittorio_(Dizionario-Biografico). S. zu ihm auch den entsprechenden Eintrag im Gesamtkatalog der Wiegendrucke: https://gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/BIGULUD.htm.
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Der italienische Humanist Benedetto Giovio wurde 1471 in Como geboren. Er studierte Griechisch bei Demetrios Chalkokondyles und lernte auch Hebräisch und Arabisch. Ab 1494 verschiedene Ämter in Como; 1530 von Karl V. zum Pfalzgrafen ernannt; gestorben 1545 in Como. S. zu ihm und seinen literarischen Werken S. Foà, «Giovio, Benedetto», Dizionario Biografico degli Italiani 56 (2001), Onlineversion, https://www.treccani.it/enciclopedia/benedetto-giovio_(Dizionario-Biografico)/.
Geboren 1503 in Vendeuvre-sur-Barse; exzellente Ausbildung; nach Englandaufenthalt in Lyon; von Margarete von Navarra zum Erzieher ihrer Tochter Jeanne d’Albret gemacht; danach in Candé, wo er 1550 starb. Er wurde vor allem für seine lateinischen Epigramme bekannt. S. zu ihm S. Laigneau-Fontaine, «Nicolas Bourbon, Ferraria – Nugae: De la silve à l’épigramme, mutations, convergences», in: P. Galand/S. Laigneau-Fontaine (Hgg.), La silve. Histoire d’une écriture libérée en Europe, de l'Antiquité au XVIIIe siècle, Turnhout, Brepols, 2013, 491-508; ausserdem die moderne Textausgabe seiner Epigramme: Nicolas Bourbon, Nugae (Bagatelles) 1533, hg., komm. u. übs. von S. Laigneau-Fontaine, Genf, Droz, 2008.
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Diesen Autor konnten wir bislang nicht genauer identifizieren. Um den in bereits in Anm. 36 genannten Ludovicus Bigus, genannt Pictorius, kann es sich nicht handeln (Stichproben ergaben, dass Gedichte, die in dem Band unter dem Autorennamen «Pictorius» firmieren, diesem zuzuschreiben sind).
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Geboren 1500 in Zwickau. Medizinstudium in Wittenberg, ausgedehnte Studienreisen (Niederlande, England, Frankreich, Italien, Schweiz, wo er in Basel Erasmus traf); danach Stadtarzt (Stationen: Nordhausen, Zwickau, Frankfurt a. M.); Medizinprofessor in Marburg (1542-1546; 1544 auch Rektor); zuletzt ab 1557 Medizinprofessor und Dekan der medizinischen Fakultät in Jena, wo er 1558 starb; s. zu ihm A. Hirsch, «Cornarius, Janus», Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), 481, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11769875X.html#adbcontent; den Eintrag im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen («Cornarius, Janus», Hessische Biografie, https://www.lagis-hessen.de/pnd/11769875X); I. Guenther, «Janus Cornarius» in: P. G. Bietenholz/T. B. Deutscher (Hgg.), Contemporaries of Erasmus: A Biographical Register of the Renaissance and Reformation, Bd. 1, Toronto, University of Toronto Press, 2003, 339-340.
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Othmar Luscinius wurde 1478/80 in Strassburg geboren; Studien in Heidelberg, Löwen, Paris, Padua und Wien. Im Laufe seines Lebens kam er als Humanist, Organist, Theologe, Musiktheoretiker etc. weit herum (hauptsächlich genannt seien hier Strassburg – dort war er mehrere Jahre Organist an St. Thomas –, Paris, Brixen, Augsburg – wo er ab 1523 im Kloster St. Ulrich und Afra lebte und lehrte und ab 1525 Kanoniker von St. Moritz war – und Freiburg i. Br., wo er ab 1528 als Münsterprediger wirkte und 1537 starb); M. Albus/C. Schwingenstein, «Luscinus, Othmar», Neue Deutsche Biographie 15 (1987), 531-532, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117320005.html#ndbcontent; detaillierter, besonders zum literarischen Wirken J. K. Kipf, «Luscinius, Otmar», Deutscher Humanismus 1480-1520. Verfasserlexikon 2 (2013), 99-130.
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1479 in Ferrara geboren; später in Neapel, dann in der Lombardei (enge Beziehung zu den Mirandola), anschliessend in Rom. 1527 schwere Schädigung durch den Sacco di Roma und den Tod seines Protektors, Kardinals Ercole Rangoni. Zunächst wieder in der Lombardei bei den Mirandola, dann bis zu seinem Tod 1552 unter schwierigen Verhältnissen wieder in Ferrara. S. zu seinem Leben und Wirken (mit Übersicht über die gelehrten und auch die poetischen Werke) S. Foà, «Giraldi, Lilio Gregorio» Dizionario Biografico degli Italiani 56 (2001), Onlineversion, https://www.treccani.it/enciclopedia/lilio-gregorio-giraldi_(Dizionario-Biografico)/.
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Geboren 1470 in Arlon; Studien in Löwen (ab ca. 1485), Orléans und Padua. 1504 Mitglied des Grossen Rats von Mechelen; Inhaber verschiedener kirchlicher Ämter und Pfründen. Wichtiger und reicher Humanist und Mäzen anderer Humanisten und der Künste (Stadtpalast Hof van Busleyden noch heute in Mechelen erhalten); Freund und Korrespondenzpartner u. a. von Erasmus von Rotterdam und Thomas Morus; gestorben 1517 in Bordeaux; durch sein Testament Stifter des Collegium Trilingue in Löwen. S. zu ihm etwa J. Theys, «Busleyden (Buslidius), Jeroom (Hieronymus) van», Nationaal Biografisch Woordenboek 1 (1964), 283-287.
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D. Magnus Ausonius wurde um 310 in Bordeaux geboren; dort lehrte er nach Abschluss seiner Studien (in Bordeaux und Toulouse) erst als Grammatiker, später als Rhetorikprofessor; ab 365 in Trier, zunächst als Prinzenerzieher, dann als comes und schliesslich quaestor sacri palatii. 383 Rückkehr ins Umland von Bordeaux, wo er auch starb (genaues Todesjahr unklar). Zu ihm und seinen Werken s. etwa M. v. Albrecht, Geschichte der römischen Literatur, Bd. 2, Berlin/Boston, De Gruyter, 32012, 1129-1137.
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Zu diesem im 6. Jh. wirkenden gallischen Theologen, einem entschiedenen Anhänger Augustins, s. etwa W. Geerlings, «Prosper Tito von Aquitanien», Lexikon der antiken christlichen Literatur (32002), 596-597.
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S. etwa p. 88: das Epigramm In decalogum. Für Melanchthons Leben und Wirken verweisen wir hier beispielshalber auf R. Stupperich, «Melanchthon, Philipp», Neue Deutsche Biographie 16 (1990), 741-745, Onlineversion, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580485.html#ndbcontent.
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Wir verzichten hier darauf, ein vollständiges Autorenregister nachzuliefern, eine Aufgabe, die im Übrigen dadurch erschwert wird, dass die Namen der Autoren bei den einzelnen Gedichten mitunter nur in abgekürzter Form genannt werden. Auf Seite 243 begegnet man derart etwa beim Epigramm In adulatores, seu fucatam amicitiam der Autorenangabe «Urs»; gemeint ist damit der in der Liste am Anfang des Buches nicht aufgeführte Caspar Ursinius Velius (1493-1539). Zu diesem s. etwa E. Klecker, «Velius, Caspar Ursinus», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 7 (2018), 147-156.
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Siehe etwa p. 395-392: Die Sententiae septem sapientum («Sprüche der sieben Weisen») des Ausonius, gefolgt von desselben carmen de XII laboribus Herculis («Über die zwölf Arbeiten des Herakles»). Zu solchen eher weltlichen Inhalten in der Scholae christianae epigrammatum libri duo s. auch T. Zinsmaier, «Johannes Susenbrot», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 6 (2017), 240-246, hier: 242.
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T. Zinsmaier, «Johannes Susenbrot», Frühe Neuzeit in Deutschland 1520-1620. Verfasserlexikon 6 (2017), 240-246, hier: spricht deshalb mit Bezug auf diese Sammlung von einem «puristischen humanistischen Klassizismus».