Johannes Fabricius Montanus
Elegie über Wilhelm Tell
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Die Autobiographie des Pellican (das Chronicon) erwähnt mehrere Badekuren des Exegeten, dessen Gesundheitszustand fragil war. Vgl. besonders C. Pellican, Das Chronikon, hg. von. B. Riggenbach, Basel, Bahnmaier, 1877, 175 (Badeaufenthalt in Urdorf im April 1547).
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Der allgemein Gessler genannte Vogt trägt hier den Namen Grislerus, den ihm auch die Chronik des Etterlin verleiht (s. die Einführung), welche die Hauptquelle des Montanus war.
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libertatis assertio. Pellican, dem dieses Gedicht gewidmet ist, nennt Tell in einer Passage seiner Autobiographie, in der er von seiner Reise in die Urschweiz im Jahre 1504 erzählt, einen libertatis assertor (vgl. Pellican, Das Chronikon, 31: Sequenti die concessimus navigio ad Uraniam, ubi ad sinistram rupes ostensa, ad quam confugerit primus libertatis assertor, Wilhelmus Dell, e navi aufugiens tyrannidem nobilitatis, «Am folgenden Tag begaben wir uns per Schiff nach Uri, wo uns zur Linken der Felsen gezeigt wurde, auf den der erste, der Freiheit forderte, Wilhelm Tell, sich flüchtete, als er mit einem Sprung aus dem Schiff vor der Adelstyrannei flüchtete»). Es ist möglich, dass Montanus, der ein enger Freund Pellicans war und nach dem Tode seiner Frau 1548 einige Zeit bei ihm wohnte, den Begriff libertatis assertio/assertor aus dem Munde seines Freundes gehört hatte – vielleicht hatte er auch sein autobiographisches Tagebuch konsultiere können, dessen Abfassung damals schon zu einem grossen Teil abgeschlossen war; tatsächlich begann Pellican 1544 mit der Abfassung seines Chronikon (vgl. Pellican, Das Chronikon, 157) und fing damit an, alle Ereignisse seines Lebens bis zu diesem Datum niederzuschreiben, um danach sein Werk Jahr für Jahr fortzusetzen.
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Alias Ambühl; Montanus hatte in zweiter Ehe Agathe geheiratet, eine Tochter des Rudolf Ambühl. Man weiss aus carm. 24 (in der Ausgabe von Amherdt (2018), 158-167), dass Agathes Bruder Theodor, der Autor des Gedichts, ein Schüler des Montanus war. 1555-1556 studierte er zusammen mit seinem Bruder Rudolf in Strassburg und Marburg (s. K. Furrer, «Rudolf Collin. Ein Charakterbild aus der Schweizerischen Reformationsgeschichte», Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie 5 (1862), 337-399, hier: 395).
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Diese nicht zufriedenstellende Version ist dennoch schon eine überarbeitete Version des 1550 veröffentlichten Textes (s. unsere Einführung).
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Er denkt hier wahrscheinlich an folgende Personen: Der Diktator Fabius Cunctator (3. Jh. v. Chr.), der einen Abnutzungskrieg gegen Hannibal ins Werk setzte; Curius (3. Jh. v. Chr.), eine Symbolfigur für Einfachheit, Strenge und Unbestechlichkeit, schlug die Samniten und Pyrrhus; der für seine Strenge bekannte Fabricius (Beginn des 3. Jh. v. Chr.) war der Held des Krieges gegen Pyrrhus; Mucius Scaevola streckte, als er dem Etruskerkönig Porsenna (Anfang 6. Jh. v. Chr.) als Gefangener vorgeführt wurde, seine rechte Hand ins Feuer, um seine Todesverachtung zu demonstrieren; Horatius Cocles, wie Mucius ein legendärer römischer Held, verteidigte den Pons Sublicius gegen die etruskische Armee und erlahmte infolgedessen; Scipio Africanus (3.-2. Jh. v. Chr.) errang einen Sieg über Hannibal; Scipio Aemilianus (2. Jh. v. Chr.) zerstörte Karthago und Numantia.
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Das Collegium minus des Fraumünsters, an dem Montanus 1551 zum paedagogus ernannt worden war.
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Rudolf I. von Habsburg, deutscher Kaiser von 1273 bis 1291. – Präsens und Vergangenheitsformen stehen im lateinischen Text in häufigem Wechsel nebeneinander. In V. 1-70 dominieren die Vergangenheitsformen; in V. 71-124 (wo die Handlung rascher abläuft und sehr viel «suspense» aufweist) das Präsens; in V. 125-132 wieder die Vergangenheitsformen. Wir waren bestrebt, diesen Effekt im Deutschen beizubehalten.
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Die Habsburg befindet sich im Kanton Aargau, an den Ufern der Aare. S. D. Sauerländer, «Habsburg (Burg)», Historisches Lexikon der Schweiz, Onlineversion vom 03.04.2014, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011153/2014-04-03/.
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Zu den durchaus nicht immer exzellenten Beziehungen Rudolfs zu Zürich s. K. Dändliker, Geschichte der Stadt und des Kantons Zürich, Bd. 1, Vorgeschichte der Stadt und der Landschaft bis 1400, Zürich, Schulthess, 1908, 86-90. Montanus beharrt als guter Patriot auf den positiven Aspekten.
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Zur ambivalenten Rolle Rudolfs in den Schweizer Gründungsmythen (vgl. V. 4-18) s. besonders P. Niederhäuser, «Rudolf I. (Heiliges Römisches Reich)», Historisches Lexikon der Schweiz, Onlineversion vom 05.01.2012, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/029461/2012-01-05/.
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Der allgemein Gessler genannte Vogt trägt hier den Namen Grislerus, den ihm auch die Chronik des Etterlin verleiht (s. die Einführung), welche die Hauptquelle des Montanus war.