Bernhard Heberly Brief von Bernhard Heberly an Wilhelm Graumeister

Print Einführung: David Amherdt (deutsche Übersetzung: Clemens Schlip). Version: 22.04.2026

Entstehungsdatum: 11. Februar 1491.

Autograph: Archives de la Bourgeoisie de la Neuveville, T. 26a.

 

Über Bernhard Eberli (oder Heberly), den Verfasser des hier vorgestellten Briefes, ist nur sehr wenig bekannt. Dem Immatrikulationsregister der Universität Basel zufolge stammte er aus Erlach (auf Französisch: Cerlier) im Kanton Bern; in Basel immatrikulierte er sich 1486 und erlangte 1490 den Titel eines magister artium. Er scheint seine Laufbahn unter der Schirmherrschaft von Wilhelm Graumeister (Guillaume Grimaître) begonnen zu haben, dem Pfarrer von Vinelz in der Vogtei Erlach, die damals in geistlicher Hinsicht zur Diözese Lausanne gehörte. Laut Angéline Rais, der Autorin der einzigen umfassenden Studie über Graumeister, war Bernhard Eberli der Sohn von Jakob (Jacques) oder Wilhelm (Guillaume) Eberli, beide Schwager des Pfarrers und beide in Erlach ansässig; er war somit Graumeisters Neffe. Alles deutet darauf hin, dass er anschliessend in die Fussstapfen seines Onkels trat und eine kirchliche Laufbahn einschlug. Sein weiteres Leben liegt jedoch für uns vollkommen im Dunkeln.

Sieben Briefe, die Eberli zwischen 1486 und 1491 aus Basel an Graumeister sandte, sind im Archiv der Bürgergemeinde La Neuveville erhalten geblieben, und zwar als Teil einer Sammlung von acht Briefen, die Graumeister in denselben Jahren erreichten – wobei der letzte von Hugo Bomgart aus Porrentruy (deutsch: Pruntrut) stammt.

Die Briefe, die dem hier veröffentlichten vorausgehen, befassen sich hauptsächlich mit seinem Alltag in Basel – insbesondere mit finanziellen Angelegenheiten – sowie mit den Menschen, mit denen er Umgang pflegte. Zu diesen gehört Johannes Heberling, Dekan der Philosophischen Fakultät zwischen 1488 und 1491 und bis zu seinem Weggang nach Dôle (spätestens 1491) Regent der bursa des Kollegiumsgebäudes, dem ersten Gebäude der Universität. Die bursa war eine Art Universitätskolleg, in dem die Studierenden im Rahmen ihrer Ausbildung untergebracht und betreut wurden. Aus den Briefen erfährt man, dass Heberling Eberli dabei unterstützen könnte, Mitregens der bursa zu werden, eine Funktion, die auch in dem von uns herausgegebenen Brief erwähnt wird – die Aussicht auf diesem Posten taucht im letzten erhaltenen Brief vom 29. Juli 1491 allerdings nicht mehr auf.

In unserem Brief entschuldigt sich Eberli für sein Schweigen, das auf die winterbedingten Kommunikationsschwierigkeiten zurückzuführen sei, und beruhigt seinen Briefpartner hinsichtlich seiner Situation: Er hofft, in Kürze die Stelle als Mitregens zu erhalten, die seinen Lebensunterhalt sichern würde. Anschliessend bittet er um Hilfe bei der Rekrutierung von Schülern, insbesondere der Söhne des Berners Rudolf von Erlach, die eine unverzichtbare Voraussetzung für die Verbesserung seiner Lage sei. Zudem bittet er um eine bescheidene materielle Unterstützung, um ein abgetragenes Kleidungsstück zu ersetzen. Schliesslich empfiehlt er nachdrücklich einen Freund des Leutpriesters von Saint-Ursanne, der in Lausanne zum Priester geweiht werden möchte, und schliesst mit der Bitte um Mitteilungen über die Familie und den Gesundheitszustand aller ihrer Mitglieder.

 

Bibliographie

Rais, A., «Livres et lectures d’un ecclésiastique de de la fin du Moyen Âge. La bibliothèque de Guillaume Grimaître», Bulletin du bibliophile 275 (2016), 275-303.