Heinrich Pantaleon, ein Arzt und Historiker (Basel)

Traduction (Allemand)

Traduction: Clemens Schlip (französischer Originaltext der Anmerkungen von Kevin Bovier)


Doppelstudium der Theologie und der Medizin

Da er aber von Natur aus zum Arbeiten geboren war, trainierte er seinen Geist nicht nur in Schule und Kirche, sondern beschäftigte sich sorgfältig mit allen Vätern und Schriftstellern der Kirche, und brachte umfangreiche Indices zum heiligen Hieronymus, zu Basilius, Hilarius und den Werken anderer zustande, wobei er damit Aufträge der Herren Froben erfüllte. Daher hatte er auch die Gelegenheit, Epicedien über etliche treffliche Männer – Erasmus, Ökolampad, Grynaeus, Karlstadt und andere – zu schreiben, die in Basel gestorben waren, und er verfasste eine neue Komödie Philargyrus über Zachäus, den Ersten unter den Zöllnern, und veröffentlichte sie 1546. Gleicherweise stellte er mit grosser Sorgfalt eine Chronographie der Kirche zusammen, die zuerst im Jahre 1550 und nachher noch viele Male in verschiedener Gestalt herausgegeben und von allen Gelehrten mit grossem Beifall aufgenommen wurde. Ausserdem übersetzte er einige Büchlein des Herrn Vergerio, die dieser auf Latein herausgegeben hatte, in dessen Auftrag in die Volkssprache und bot sie den Deutschen zur Lektüre an. Um seinen Geist auch auf noch besserer Weise zu trainieren, lehrte er in den Stunden, in denen die anderen Leute ihre Freizeit geniessen, zwei Jahre lang im Kolleg (dem Willen der Lehrer gemäss) theologische Gegenstände, wie etwa einen Teil des Exodus, den Propheten Jonas, den Evangelisten Markus und den Brief des Paulus an Titus, die er auch in seinen (noch nicht publizierten) Kommentaren erklärt hat. Er hielt darüber hinaus mehrere theologische Disputationen ab, in denen er das bewies, was er in seiner Vorlesung gesagt hatte. Deshalb geschah es am 2. Juni 1552, dass er in Basel unter grossem Publikumsandrang öffentlich zum Lizentiat der hl. Theologie promoviert wurde. Weil er sich auf diese Weise erfolgreich mit dem theologischen Studium beschäftigte und es dennoch vielen guten und gelehrten Männern schien, er sei für öffentliche Predigten nicht geeignet (weil seine Zunge zu schnell war und seine Stimme überkippte), wendete er seinen Geist auch dem einige Zeit lang unterbrochenen Medizinstudium zu und verband es mit der Theologie, so dass er sowohl der Kirche dienen als auch seinem Nächsten auf verschiedene Arten nützen könne. Deshalb unterrichtete er das ganze Jahr lang in seinem Haus Privatschüler (und zwar Erwachsene) in der Medizin und rief sich auf diese Weise die Regeln dieser Wissenschaft beständig ins Gedächtnis.

[…]

Das vorliegende Werk über berühmte Männer

Später begann er auch daran zu denken, jenes herrliche und vielen erwünschte Werk über die berühmten Männer Deutschland auf Latein und Deutsch herauszugeben. Deshalb las er alle seinem Zwecke dienenden Geschichtsbücher gründlich durch und achtete dabei auf das Bemerkenswerte. Ja, er schickte sogar Briefe an etliche Fürsten (bei denen er schon wegen verschiedener wissenschaftlicher Studien, die er ihnen gewidmet oder die er herausgegeben hatte, beliebt war) und auch an gelehrte Männer, die er persönlich kannte, und bat sie bescheiden, dass sie ihm – weil jenes Werk enorme Mühe verursachen würde – Lebensbeschreibungen derjenigen Männer, die bei ihnen entweder wegen ihrer militärischen oder schriftstellerischen Leistung berühmt wären, bei Gelegenheit nach Basel schicken wollten. Die meisten kamen dieser Bitte aus Heimatliebe nach. Inzwischen brach in Basel eine wütende Pest aus. Deshalb ging er verschiedene ärztliche Traktate über die Pest durch und verfasste 1564 ein an die Gegenwart angepasstes Büchlein über die Pest und veröffentlichte es, und er selbst blieb mitsamt seiner Familie durch die Barmherzigkeit Gottes unversehrt. Dann kehrte er zu der vorgenommenen Arbeit zurück, vollendete die ersten zwei Bände über berühmte Männer und gab sie heraus.

Da aber die Taten der in jüngerer Zeit geborenen Deutschen noch nicht schriftlich festgehalten worden waren, und jede Nation nur ihre eigenen Mitbürger kannte, unternahm er (um den dritten Teil bequemer zu vollenden) Anfang 1565 eine Wanderschaft durch Deutschland und reiste, von einem öffentlich besoldeten Basler Reiter begleitet, durch die Schweiz, Schwaben, Bayern, Oberungarn, Österreich, Franken, Hessen, die Pfalz und die Rheingegend und wurde überall von den Fürsten und den Vornehmen der Städte dankbar empfangen, und endlich kehrte er nach etlichen Monaten, über viele Gegenstände unterrichtet, heil nach Basel zurück, und legte schriftlich nieder, was er ringsumher von vertrauenswürdigen Leuten erfahren hatte, und veröffentlichte das ganze Werk 1566 in seiner vollendeten Gestalt. Ausser den bisher kurz aufgezählten Arbeiten reinigte er auch viele Autoren von korrupten Stellen und gab sie heraus, wobei er ihnen verschiedene Vorworte oder Epigramme vorausschickte. Heinrich war nämlich für die Wissenschaft geboren und ein sehr geduldiger Arbeiter, so dass er bis jetzt mehr oder weniger zwölf Jahre lang an jedem einzelnen Tag morgens fünf Stunden lang ununterbrochen übersetzt oder etwas Neues verfasst und einige Blätter erfolgreich fertiggeschrieben hat. Ausserdem war er von Natur aus heiter, er war leutselig zu allen, und er war ein einzigartig begabter kritischer Begutachter der von anderen verfassten Arbeiten, weil er immer allen nützen und keinem schaden wollte. Daher war er auch bei den deutschen Fürsten und Vornehmen beliebt; sie nahmen die ihnen von ihm gewidmeten Studien immer mit höchster Freigiebigkeit an und ermunterten Pantaleon, eifrig weiter zu machen. Auf diese Weise verbringt er auch nun sein 44. Jahr weiter in Basel und unterlässt im Lehren und Schreiben nichts, womit er Gottes Ruhm kundtun und sein deutsches Vaterland verherrlichen kann. Die Nachwelt wird das zweifelsohne dankbar erkennen und verkünden. Konrad Lykosthenes, mehrere Anonyme in Deutschland, die sehr viel Glauben verdienen.