Autobiographie

Heinrich Pantaleon

Einführung: Kevin Bovier (deutsche Übersetzung: Clemens Schlip). Version: 10.02.2023.


Entstehungszeitraum: 1563-1565 für die ersten beiden Bände der Prosopographia; 1565-1566 für den dritten.

Ausgabe: Prosopographiae heroum atque illustrium virorum totius Germaniae, pars III, Basel, Brylinger, 1566, 563 und 565.

 

An das Ende seines Werkes über die Helden und berühmten Männer Deutschlands stellte der reformierte Basler Heinrich Pantaleon (1522-1595) seine in der dritten Person verfasste Autobiographie. Der unechte bescheidene Tonfall seiner Notiz kann nicht verbergen, was für eine hohe Meinung er von seinem Lebenslauf hat, wenn man vom Eingeständnis einiger Fehler absieht (z. B. seiner mangelnden Eloquenz). Diese Autobiographie, die manchmal zu einem Panegyrikos tendiert, bietet nützliches Material, das aber nicht immer zuverlässig ist; die späteren Biographen haben es dennoch zum Grossteil übernommen. Von den Punkten, die der Autor hervorhebt, kann man seine guten Beziehungen zu den Gelehrten und besonders zu den politischen Eliten festhalten, besonders seine Beziehungen zum Kaiser. Maximilian II. sollte im Übrigen Pantaleon für dieses Werk 1566 mit dem Titel eines poeta laureatus belohnen.

Die Randanmerkungen dieser Ausgabe geben die Gliederung der vita an (wir fügen hier in eckigen Klammern noch einen Untertitel an, um den Anfang des Textes zu charakterisieren):

- [Kindheit und Schulbesuch]
- die Studien seiner Jugendzeit (studia adolescentiae)
- gymnasiale Übungen (exercitia in gymnasiis)
- seine ersten beruflichen Aufgaben (officia primo administrata)
- sein Doppelstudium der Theologie und der Medizin (theologiae et medicinae studium coniunctum)
- seine philosophische Unterrichtstätigkeit (philosophica professio assumpta)
- Pantaleons Werke (scripta Pantaleonis)
- das vorliegende Werk über berühmte Männer (opus praesens de viris illustribus)

In der hier als erste präsentierten Passage, in der es um seine theologischen und medizinischen Studien geht, hebt Pantaleon seine grosse Arbeitskraft hervor, ferner die Vielseitigkeit seines Wissens und sein Talent zum Unterrichten. Der zweite Auszug, der vom Ende der autobiographischen Notiz stammt, informiert uns mehr über die Ausarbeitung des Werkes, das laut seinem Autor viel Aufmerksamkeit erregt hatte. Pantaleon achtet darauf, als ein seriöser Gelehrter aufzutreten, der sowohl von Humanisten als auch von Politikern geschätzt wird, und er erwähnt das weitgespannte Netzt seiner Briefkorrespondenten, die ihn mit wichtigen Informationen für sein Werk versorgt hatten. Die Pest, der er einen im Januar 1564 erschienenen Traktat widmete, zwang ihn, seine Forschungen zu unterbrechen. Er nahm hierauf die Arbeit an seinen Biographien wieder auf und veröffentlichte im folgenden Jahr die ersten zwei Bände. Da er davon ausging, dass die Deutschen nur die Helden ihrer eigenen Region kannten, verfasste er noch einen letzten Band, der sich erst kurz zurückliegenden Zeitabschnitten widmete. Um seine Kenntnisse zu vervollkommnen reiste er anschliessend durch die deutschsprachigen Gebiete. Er präsentiert sich als einen Philologen und Gelehrten mit zäher Arbeitskraft (ein Aspekt, der in diesem Selbstporträt mehrfach wiederkehrt) und behauptet gleichermassen, einen liebenswürdigen Charakter zu besitzen und von allen geschätzt zu werden; wie Buscher feststellt, fällt die Maske der Bescheidenheit derart immer mehr, je weiter die Notiz fortschreite. In der Schlussbemerkung Pantaleons kann man seine Anhänglichkeit an die deutsche Heimat hervorheben, das heisst: seine Anhänglichkeit an die ganze deutsche Sprachgemeinschaft, und nicht nur an Basel oder die Eidgenossenschaft. Die Quellen, die der Autor recht vage am Ende der Notiz zitiert, sind wahrscheinlich Zeugnisse von Freunden wie dem Elsässer Conrad Lycosthenes.

 

Bibliographie

Buscher, H., Heinrich Pantaleon und sein Heldenbuch, Basel, Von Helbing & Lichtenhahn, 1946.

Hon, J., «Die Deutsche Volkssprache als Vermittlerin der Nationalidentität: Heinrich Pantaleon bei Nikolaus Brylinger», in: E. Kammerer/J.-D. Müller (Hgg.), Imprimeurs et libraires de la Renaissance: le travail de la langue, Genf, Droz, 2015, 507-519.

Liebertz-Grün, U., «Nationalkultur und Gelehrtenstand um 1570. Heinrich Pantaleons Teutscher Nation Heldenbuch», Euphorion 80 (1986), 115-148.

Zeller, R., «Pantaleon, Heinrich», Historisches Lexikon der Schweiz, Onlineversion vom 19.12.2016, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/012195/2016-12-19/.